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MIND.IN.A.BOX
- R.E.T.R.O
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Musik machen ist im Zeitalter des Heimcomputers und den unzähligen Synthesizer-Softwares kaum noch Kunst. Den Gipfel dieser unsäglichen Entwicklung bildete das für den Nintendo DS, einem notabene tragbaren Spielecomputer, nachgeahmte Korg-Synthesizer-Spiel, das jedem Besitzer eines solchen transportablen Freizeitverschwender die Möglichkeit gab, analoge Sounds digital zu generieren. Grässlich. Grausam. Umdenken tut da Not! Das haben sich anscheinend Markus Hadwiger und Stefan Poiss von Mind.In.A.Box wohl auch gedacht. Um der glorifizierten Zeit des Commodore 64 zu huldigen, haben sie sich etwas ganz besonderes ausgedacht: Ihr neuestes Album „R.E.T.R.O.“ besteht größtenteils aus Songs, die als Soundtrack für diverse Commodore-Spiele-Klassiker fungierten. Das allein ist jetzt noch nicht der Clou, schließlich machen das genügend andere Musiker auch (einen schönen Überblick bietet übrigens die Internetseite remix.kwed.org, auf denen man schlechte und rechte Coverversionen solcher Stücke hören und kostenlos runterladen kann). Der Trick besteht nun darin, dass die Musiker sich alter MFD Programme bedienten, diese aber ummodelten, um sie für ihre Zwecke einzusetzen und die berühmten flirrenden C=64 Sounds individuell bedienen zu können. Das Ergebnis konnte man bereits schon auf den früheren Alben „Lost Alone“ und „Dream Web“ hören. „R.E.T.R.O“ nun widmet sich also vollends diesen nostalgischen Sounds, vermischt sie aber mit der typischen MIAB-Sphäre, die so stilbildend für das wurde, was man heutzutage als „Intelligent Electro“ bezeichnete. Dass das neue Album größtenteils aus Instrumentals besteht und nur selten gesungen wird: geschenkt! Dafür wissen die beiden Österreicher einfach zu gut, wie sie Melodien platzieren müssen, als dass die Stücke langatmig werden. Wer also mit einem weiteren Kapitel aus der „Black“-Saga rechnete, wie sie bei den früheren Alben der Fall war, sollte sich nicht grämen. „R.E.T.R.O.“ bietet wieder Hörgenuss vom Feinsten. Ob das nun das wahrhaft geniale „Lightforce“ ist, das die ohnehin schon genuine Melodielinien eines Ron Hubbard geschickt in die Jetztzeit zu verfrachten weiß, oder die Eigenkompositionen, wie das fast schon zuckersüße „8 Bits“ und die schwebenden Sequenzen in „Mindkiller“: Jeder Song lässt keinen Zweifel daran, dass MIAB zu den absoluten Meistern der elektronischen Klangerzeugung gehören. Das fast schon an Gigi D’Agostino erinnernde „I Love 64“ ist also die Fahne, die das Projekt hochhält, die Conclusio des Werks, plakativ und mit gRandezza in Szene gesetzt. Von allen Versuchen, dieser Zeit ein würdiges Denkmal zu setzen, sind Mind.In.A.Box die einzigen, die das mit Verve und Intelligenz geschafft haben. Und doch wissen sie am Ende: „We Cannot Go Back To The Past“. Dies unterstreichen sie mit verschwurbelten Bassläufen und einem nur noch entfernt an Commodore erinnernden Sound. Sie sind im Hier und Jetzt, die gottgleich anmutenden Klangzauberer von MIAB. Aber sie haben die Vergangenheit nicht vergessen. Ein unerwartetes, aber auch wundervolles Werk, das mit dem hymnischen „Whatever Mattered“ den Hörer zufrieden und glücklich in unsere hochmoderne Welt zurücklässt. Ein Meilenstein der elektronischen Musik, voller Herzblut und Wärme. Das ist Musik für das 21. Jahrhundert! (verfasst von Nuuc) |