IMPLANT - IMPLANTOLOGY

Belgien, das steht in erster Linie für Front 242. Besonders in den 80ern war dieses Land Geburtsort einer neuen elektronischen Musik, die es bislang so noch nicht zu hören gab. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dort eine lebendige EBM-Szene, zu der sich irgendwann auch ein gewisser Len Lemeire gesellte. Unter seinem Projekt Implant feierte der Musiker nicht gerade die größten Erfolge. Vielmehr stand der Musiker eher im Hintergrund, ließ andere singen und produzierte auch andere Bands, die eine sehr erfolgreiche Karriere machten. So hatte er unter anderem auch mit Anne Clark zusammengearbeitet, sodass eine fast vergessene Grande Dame wieder zu den ihren gebührenden Ehren auf der Tanzfläche kam. Mit dem neuen Werk „Implantology“ hat sich Lemeire wieder einmal neu definiert. Und er hat sich dieses Mal auch selbst übertroffen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieses Album das vielleicht erfrischendste und eingängigste Werk ist. Das liegt zum einen an den Umstand, dass alle 13 Songs mit knapp drei bis vier Minuten Spiellänge sehr knapp und pointiert gehalten wurden und so keine große Langeweile aufkommt. Außerdem hat der Musiker ein wahres Künstlerhappening veranstaltet. Unter anderem haben Jean Luc de Meyer (Front 242), Destroyx (Angelspit) und auch Claus Kruse (Plastic Noise Experience) als Gastsänger fungiert. Lemeire, der sich selbst nicht als Sänger sieht, weiß ziemlich genau, welche Sounds zu welcher Stimme passen. Und auf „Implantology“ hat er diese Verschmelzung zur Perfektion gebracht. Was auf „Audio Blender“ schon zu erahnen war, entfaltet sich nun auf „Implantology“ zu voller Blüte: Weg von komplexen und oftmals auch überladenen Kompoitionen (vor allem bei „Self-Inflicted“ deutlich), hin zu einfacheren Strukturen. Doch auch hier versucht Len immer wieder, zu variieren. So ist beispielsweise „The Dive“ ein düsteres EBM-Werk, das an das neue Projekt 32Crash erinnert (es ist ja auch Jean-Luc, der da singt). Dagegen ist „We Are Noise“ ein unverschämt poppiges Electroclash-Stück, wie man es so bislang von Implant noch nicht gehört hat. Auch das textlich gelungene „Nicht Tanzen“ macht Lust auf mehr. Schließlich verneigt sich Lemiere noch vor den Altmeistern und liefert eine herzerfrischende Version von „Los Ninos del Parque“ von Liaisons Dangereueses ab. Ein kurzweiliges, in seiner Einfachheit aber sehr intelligent arrangiertes Album, das zu den Besten zählt, was dieses Jahr bislang erschienen ist. Tipp!

(verfasst von Nuuc)



Homepage: Implant

Wertung: 6 von 6
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