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GLENN LOVE
- CRYPTESTHESIA
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Als „Belle Epoque“, der Vorgänger von „Cryptesthesia“ erschien, hatte Glenn Love aus Toronto einen starken Hang zur elektronischen Musik der 80er Jahre gehabt. Davon ist jetzt nichts, aber auch rein gar nichts mehr zu hören. Wie ein Wirbelsturm fegt das neue Album über die Gehörgänge weg. Die Beats peitschen ein und die albtraumhaften Synthesizermelodien werden von einer verzerrten Stimme gekrönt. Dieser radikale Stilwandel mag man angesichts der filigranen Arbeitsweise auf seinem Vorgänger vielleicht übel nehmen. Andererseits zünden die Industrial-Songs auch. Glenn Love hat für sich anscheinend alle Grenzen gesprengt und macht das, was ihm gerade in den Sinn kommt. Mit „Schnee von gestern“ und „Sagt mir wo“ versucht er sich auch an der deutschen Sprache. Das klappt sogar ganz gut, wenngleich sich diese Stücke auf nur einen Satz beschränken. Es ist immer noch die Musik, die Glenn Love in den Vordergrund schiebt, das gesprochene Wort hat für den Soundtüftler kaum eine Bedeutung. „Cryptesthesia“ erinnert in seiner minimalen, drastischen Art und Weise dem EBM der frühen 90er Jahre – schmutzig, dreckig und endzeitlich. Besonders „Airships“ rast im Wutklang Mix mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit durch. Nur „River“ und „Outskirts“ nimmt das Tempo heraus. An Brachialität büßen aber auch diese beiden Tracks nicht ein. „Cryptesthesia“ ist ein kompromissloses Werk, das gerade deswegen an Charme gewinnt. (verfasst von Nuuc) |