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Fast 3 Jahre mussten wir warten und nun ist es fast so weit. Am 19.Januar wird endlich „Beyond Flatline“ veröffentlicht und lädt ein auf einen Trip hinter den Horizont der „gewöhnlichen“ Musik. Wie es aussieht habt ihr diese Zeit sehr gut genutzt! War die Pause nötig um nach dem Erfolg des Debutalbums wieder neue Ideen zu sammeln und dem Erwartungsdruck zu bestehen und doch innovativ zu bleiben?
Frank: Wir haben uns die Zeit genommen, die wir brauchten. Das meine ich als sehr positives Statement, denn dazu gehört, dass einen das Label machen lässt und man nicht darauf angewiesen ist, in regelmäßigen Abständen neue Alben auf den Markt zu bringen. Die Kehrseite ist, dass Martin und ich wegen unserer Jobs nur eine begrenzte Zeit in die Musik investieren können. Und so lang wie die Zeit unseren Fans vorgekommen ist, war sie für uns subjektiv gar nicht. Im Frühjahr 2002 gingen für Seabound ja bereits die ersten Liveauftritte los. Es folgten die US Tour mit Stromkern im September und die Tour im Vorprogramm von Covenant im Oktober. Gleichzeitig haben Martin und ich wieder damit angefangen, an Stücken für das neue Album zu arbeiten. „Transformer“ war der erste Track, der uns auch vergleichsweise lange aufgehalten hat. Es wurde dann zunehmend leichter, eine Passung von Musik, Texten und Gesang zusammen zu bekommen, ohne dafür 14 Versionen eines Stückes aufnehmen zu müssen, wie bei „Transformer“. ;-) Nachdem etwa die Hälfte der Stücke „im Kasten“ war, ging es sehr viel reibungsloser und auch das Gefühl, dass das Album konzeptuell immer stimmiger wurde, hat dazu sicher beigetragen. „Beyond Flatline“ steht für ausgefeilte Sounds, komplexen Aufbau und abwechslungsreichen Arrangements, sowie emotionalen Vocals. Ihr knüpft also nahtlos an dem ersten Album an, schafft aber doch gleichzeitig einen deutlichen Schritt nach vorn und schafft etwas deutlich ausgereifteres. Worin seht ihr die größten Unterschiede? Woran habt ihr am meisten getüftelt? Die Produktion und das Mastering des neuen Albums übertreffen einen Grossteil der Konkurrenz. Habt ihr selbst Hand angelegt? Frank: Der Fortschritt war nicht am Reißbrett geplant und doch würde ich ebensowenig von Zufall sprechen. Es gibt objektive technische Fortschritte, was das Equipment angeht, z.B. bezüglich der Gesangsaufnahmetechnik oder den zunehmenden Einsatz von Plug-Ins, die wir auf dem ersten Album nicht besaßen. Außerdem hat Martin sich immer mehr in die Produktionsarbeit sowie ein immer ausgefeilteres Programming hineingearbeitet und maßgeblich den Sound verbessert. „Beyond Flatline“ ist völlig unabhängig von externen Einflüssen wie etwa Produzenten entstanden, was uns die Möglichkeit gab, in unserem eigenen Tempo zu arbeiten und Songs so lange zu verändern, bis wir mit dem Ergebnis 100% zufrieden waren. Ein Teil des Erfolges von „Beyond Flatline“ geht vermutlich darauf zurück, dass „No Sleep Demon“ für ein Debütalbum bereits sehr positiv aufgenommen worden ist. Dadurch wird einerseits zwar die Messlatte für das Nachfolgealbum gleich höher gelegt, aber andererseits haben einige Leute sich doch mehr Zeit genommen, aufmerksam ins neue Album hinein zu hören. Von textlicher Seite habe ich mich an Nicole Blackman erinnert, eine New Yorkerin, die sehr persönliche und gleichzeitig abgründige Texte und Gedichte schreibt. Was mich an ihr besonders inspiriert, ist die Schonungslosigkeit und die Direktheit ihrer Texte. Wer sich „Beyond Flatline“ anhört und sich mit der Musik und den Texten auseinandersetzt, findet ähnlich ungeschönte Abgründe. Nimmt uns „Beyond Flatline“ mit auf eine Reise jenseits dessen was wir wissen und kennen? Was für eine Vorstellung hast du denn vom Tod? Frank: Etwa nachdem die Hälfte der Songs für „Beyond Flatline“ fertig waren, habe ich begonnen, nach einem roten Faden zu suchen, nach einem Thema für das Album. Vorher haben wir sequenziell die Songs gemacht, die uns in den Sinn kamen, ohne groß darüber nachzudenken, ob das Gesamtopus stimmig sein würde. Dann bemerkte ich, dass die Auseinandersetzung mit dem Tod bzw. mit dem Ende von bedeutsamen Elementen und Konstellationen des Lebens eine zentrale Komponente des Albums ausmachten, und mir kam die Vorstellung einer Nulllinie in den Sinn, durch die ich im Geiste hindurch schritt. Jeder kennt die giftgrün schimmernde Nulllinie (Flatline) in Operationssälen, die signalisiert, dass ein Patient verstorben ist, wenn kein Puls/Herzschlag mehr aufgezeichnet wird. Dies ist ein eindeutiges Symbol für das Ende. Gerade deshalb ist es so faszinierend, darüber nachzudenken, was jenseits dieser Nulllinie passiert. Viele Stücke auf „Beyond Flatline“ berühren das Thema Tod und Vergänglichkeit, allerdings meist im übertragenen Sinne, z.B. das Ende einer Beziehung oder die Vergänglichkeit von Gefühlen. Ich habe eine Vorliebe für dramatische Moment und Grenzsituationen eignen sich hervorragend dazu, damit kreativ zu arbeiten. „Beyond Flatline“ bedeutet für mich allerdings auch im weiteren Sinne „jenseits der Vernunft bzw. jenseits des Vorhersehbaren“, und das trifft sowohl für die neuen Texte als auch für die Musik auf dem Album zu. Seabound ist auch bekannt für seine tiefgründigen Texte. Enstehen diese eher an ruhigen Abenden mit Blick auf die Brandung eines Meeres bei deiner Forschungsreise oder fussen sie auf die Tiefen deiner Seele und nicht zuletzt auf dein Psychologiestudium? Was für Assoziationen willst du mit deiner Musik beim Hörer schaffen? Frank: Ich bin ein aufmerksamer Beobachter und vermische meine Eindrücke mit autobiographischen Elementen, Phantasien oder auch mit Anregungen aus der Literatur oder den Medien. Manche der Texte entstehen sehr spontan. Bei „Go International“ war es beispielsweise so, dass ich eines Morgens auf dem Weg zur Universität fast von einem Japaner, der in einem BMW unterwegs war, umgefahren worden wäre. Das war der Auslöser! Ich dachte so für mich: ”Japanese killer”. Der Text ist auch inspiriert von Science Fiction-Geschichten wie ”Neuromancer”, wo sich irgendwelche Leute in In-Bars treffen, in denen Lebenslinien aufeinander treffen, ohne dass die individuelle Geschichte zählt – und so entwickelt sich „Go International“ in eine Collage internationaler Begegnungen. Auf den ersten Blick scheint es ein Text zu sein, der einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten will (lacht). Wer aber genauer hinhört, findet schnell heraus, dass die Personen in „Go International“ nichts Gutes im Schilde führen. Ich möchte die Zuhörer für meine Lieblingsthemen interessieren: Menschen, Schicksale, Gefühle, Tragik, Liebe, Tod. (lacht) Für die aktuelle Maxi „Contact“ habt ihr ja mit Covenant, Haujobb und Assemblage 23 eine richtige Remixer-Prominenz im Aufgebot. Nach welchen Kriterien habt ihr diese Künstler ausgewählt? Eskil war ja auch schon bei der Debut-Maxi als Produzent mit von der Partie. Tauscht man sich als Musiker einfach gerne mit seinesgleichen aus? Frank: Seabound hatten von Anfang an das Glück mit Künstlern arbeiten zu können, die selbst einen Namen im Genre haben und die wir respektieren. Die Remixer auf „Contact“ sind doch fast eine Art „Dream-Team“ der intelligenten Electro-Szene, und ähnlich illuster wird es auf der kommenden „Poisonous Friend EP“ zugehen. Das soll nicht bedeuten, dass wir nicht auch von unbekannteren Bands angetan sind. Dennoch ist mein Eindruck, dass die meisten Bands, die einschlägiger sind, nicht ohne Grund zu ihrer Bekanntheit gelangt sind. Insofern ist es schön, Covenant oder Haujobb zu „seinesgleichen“ zählen zu können. Auf der neuen EP werden übrigens Mixe von Severed Heads und Iris vertreten sein, um nur zwei Beispiele zu nennen. Seabound hat es ja nun geschafft sich in der Sparte des intelligenten Electropops breit zu machen. Ein gutes Gefühl etwas anders und eigenständiger zu sein? Wie schafft ihr es eurem Stil so treu zu bleiben und nicht doch mit der Masse zu gehen? Frank: Ich glaube, das hat damit zu tun, dass wir die eigene Begeisterung für die Musik anderer Künstler und das „Musikmachen“ strikt voneinander abkoppeln. Wenn wir an Material für Seabound arbeiten, bewegen wir uns völlig losgelöst von anderen Bands und konzentrieren uns völlig auf uns. Es hat wirklich etwas von Abspaltung – und funktioniert gut. So kühl, emotional, tiefgründig wie eure Musik birgt auch euer Artwork einen grünen Schimmer der Hoffnung. Wie weit habt ihr das beeinflusst? Warum habt ihr den Grafiker gewechselt? Frank: Wir haben einen vergleichsweise hohen Verschleiß an Grafikern (lacht). Ehrlich, es ist für Grafiker nicht einfach mit uns, weil Martin und ich oft sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem gelungenen Artwork haben. Da kommt es vor, dass Grafiker genervt die Flinte ins Korn werfen, und so kommt es, dass wir in Zukunft vermutlich mit einem völlig neuen Grafiker arbeiten werden. Ich habe allerdings keine Ahnung, warum die „grün“ mit Hoffnung assoziierst... ;-) Ende 2002 ward ihr mit Covenant auf einer grossen Europa Tour und konntet dadurch mit eurer Performance mehr bieten als auf den kurzen Festival Auftritten. Wie wird die Tour im Frühjahr ablaufen? Werdet ihr diese dann headlinen? Mit wem teilt ihr eurer Publikum dieses mal? Plant ihr eher ausgewählte Clubs und einen kleinen Rahmen oder wieder eine sehr ausgedehnte Tour? Frank: Wir arbeiten derzeit an Tour-Möglichkeiten. Wir können uns gut vorstellen, mit Erste Rotersand gemeinsam aufzutreten, was vermutlich ein interessantes Paket abgeben würde. Rotersand sind eine Band, die in meinen Augen zu den größten positiven Überraschungen des letzten Jahres gehört. Derzeit steht aber noch nichts fest. Ebenso ist eine US-Tour mit Covenant Anfang 2005 im Gespräch. Sobald es konkrete Neuigkeiten gibt, werden wir sie auf www.seabound.de veröffentlichen. Eine Release-Party gab es unter anderem auch auf Hawaii im Club Tabu. Wie kommt es denn dazu? Ist euer Feedback aus den USA auch so gut? Stehen Intelligent Electro Acts in der Höhrer Gunst dort generell besser? Frank: „No Sleep Demon“ ist wider allen Erwartungen in den USA trotz fehlender Lizenzpartner außerordentlich gut angekommen. Wir haben dort sogar mehr CDs verkauft als in Europa, wodurch Metropolis, die unser erstes Album ursprünglich nicht lizensieren wollten, hellhörig geworden sind. Das neue Album läuft dort derzeit ausgesprochen gut, was uns ganz besonders freut, weil es bedeutet, dass uns die Fans dort auch nach der längeren „Pause“ die Treue gehalten haben. Ich denke schon, dass nichtamerikanische Electro-Acts in den USA einen gewissen Exoten-Status genießen, aber leztlich musst Du mit der Musik und den Texten überzeugen. Das macht uns schon stolz, weil es nicht selbstverständlich ist, dass man in einer Fremdsprache Texte mit Tiefgang glaubhaft vermitteln kann. „Beyond Flatline“ weist einen enormen Abwechslungsreichtum auf. Neben eingängigen, anspruchsvollen Midtempo Songs und der wunderschönen Ballade „Watching Over You“ sind z.B. mit „Contact“, „Poisonous Friend“ und „Go International“ drei absolute Tanzflächen Nummern auf eurem Album vertreten. Das neue Album sorgt für eine sehr gute Mischung aus Wohnzimmer und Clubfähigkeit. Legt ihr viel Wert auf Clubpräsenz oder macht ihr eure Musik einfach so wie ihr sie gerne hört? Frank: Meine Idealvorstellung ist Musik, die ich mit „angeschaltetem Gehirn“ hören und genießen kann. Clubtauglichkeit herzustellen ist für mich zweitrangig, obwohl es eine interessante Herausforderung darstellt, der wir und mit „Poisonous Friend“ in Kürze stellen werden. Ich denke aber, dass es einfacher ist, komplexe Dinge einfacher zu machen statt zu versuchen, einem Minimalkonzept ein Gehirn einzupflanzen. Viel Erfolg mit eurem neuen Album und vielen Dank für das sehr aufschlussreiche Interview! Die letzten Worte gehören euch… Frank: Vielen Dank für Euer Interesse! Wir hoffen, dass Euch „Beyond Flatline“ und die „Poisonous Friend“ EP Spaß machen. Aktuelle News gibt es immer unter www.seabound.de.
(Interview geführt von Andi) |
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