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Hallo, Euer neues Album ist endlich draußen, herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle für ein sehr gelungenes Output. Wie fühlt ihr Euch, nachdem die Arbeiten beendet sind?
Chris: Glücklich aber auch erleichtert. Die Entstehung von Autophobia war auch ein Geduldsspiel, allein die finale Produktionsphase hat mehr als ein halbes Jahr gedauert. Jetzt können wir wieder ohne Zeitdruck experimentieren und die viel zu seltenen Live-Momente auskosten. Wir sind derzeit aber auch sehr zufrieden, weil die Reaktionen zu „Autophobia“ so überwältigend ausfallen. Das dritte Album ist für viele Bands etwas besonders: Beim ersten Album hat man keine Erwartungen zu erfüllen. Schlägt dieses ein, kann man auf dem Nachfolger auf das Erfolgsrezept zurückgreifen. Doch beim dritten läuft man eventuell Gefahr, sich selbst zu kopieren. Standet ihr auch vor diesem Problem bzw. verspürtet ihr einen gewissen Erwartungsdruck? Guido: Einen konkreten Erfolgsdruck hatten wir nicht, nur eine gewisse Erwartungshaltung an uns selbst, die aus dem Zugewinn an Erfahrung resultiert. Trotzdem oder gerade deshalb wollten wir mit dem neuen Album etwas ändern. Noch introvertierter als auf „Black Box“ sollte es nicht werden. Viele Songs auf „Autophobia“ sind also deutlich offener ausgefallen und klingen trotz aller Detailarbeit an ihnen sehr „spontan“. Euer neues Werk trägt den Titel „Autophobia“. Nach den eher technischen Titeln „Interface“ und „Black Box“ der ersten Alben nun ein Begriff aus der Medizin. Wie kommts? Chris: Wir wollen die gleichnamige Krankheit nicht verharmlosen. Aber im Unterschied zu den beiden Vorgängeralben liegt der Focus der Inhalte auf „Autophobia“ nunmal viel stärker auf den Lebensumständen des Einzelnen, den individuellen Sorgen, Ängsten und Träumen. Wir haben da keine Berührungsängste. Das nächste Mal kommt der Albumname vielleicht aus den Medien, wer weiß... Unterliegt das Album einem gewissen Konzept? Guido: Hm, eigentlich nicht. Die Grundintention vieler verarbeiter Gedanken auf dem Album ist aber sehr homogen und melancholisch. Unsere Verwendung der Autophobie spielt eher auf eine gesellschaftliche Bedeutung an. Denn viele Menschen sind allein, haben keinen Lebenspartner und auch keinen richtig festen Freundeskreis. Gleichzeitig leben wir aber alle in einer Welt, die auf Sex, Fun und Erfolg ausgerichtet ist. Um in diese Welt zu passen, muss man also die Fassade aufrecht erhalten, beliebt und erfolgreich zu sein. Wie auch immer, viele Menschen müssen einsam durch ihr Leben gehen und viele Dinge alleine bewältigen – und genau das geschieht auch vielen Protagonisten in den Songs auf „Autophobia“. Mist, jetzt ist es doch ein Konzeptalbum geworden. *g Wann wusstet ihr, dass das Album so lauten musste? Chris: Als wir das Wort „Autophobia“ und seine Definition zum ersten mal gelesen haben. Davor waren mehrere Alternativen im Gespräch, die aber in diesem Moment sofort dem Rotstift zum Opfer fielen. Der Titel passt einfach am besten zu der Essenz der Inhalte der zwölf Songs. Für das neue Album habt ihr unter anderem auch Frank Spinath von Seabound respektive Edge Of Dawn als Gastsänger für den Song „Sojourner“ engagiert. Wie kam es zum Kontakt? Guido: Nachdem wir 2007 „Black Box“ veröffentlicht hatten, fragten Seabound an, ob wir sie bei den in Deutschland stattfindenden Konzerten ihrer Tour supporten wollten. Wir sagten zu und trafen so auf Frank, mit dem wir uns sofort gut verstanden. Chris: Wir fragten ihn schon damals, ob er auf unserem neuen Album singen möchte. Die Zusammenarbeit gestaltete sich dann ganz unkompliziert. Warum sollte gerade Frank diesen Song einsingen? Guido: Weil der Song und das Textmetrum genau für Frank geschrieben wurden. Er fand „Sojourner“ von Anfang an gut. Chris: Frank zählt zu den besten Sängern, die wir kennen und uns war natürlich klar, welche Aufmerksamkeit „Sojourner“ auf sich ziehen würde. Den Song gibt es demnächst im Club-Edit. Wart ihr zusammen mit ihm im Studio, oder habt ihr – ganz im zeitalter des Internets – die Gesangsspuren per E-Mail erhalten? Falls ihr doch direkt mit ihm zusammengearbeitet habt: Wie war die Erfahrung mit ihm für Euch? Guido: Das war alles ganz modern. Mail abrufen, testen, Feedback versenden... Mail abrufen... Chris: Obwohl ich im Vorfeld meine Zweifel hatte, hat die Zusammenarbeit über das Internet völlig problemlos funktioniert. Wenn man zusammen im Studio arbeitet, ist das Feedback natürlich direkter, aber andererseits kann Frank in seinem vertrauten Reich allein viel entspannter einsingen und schließlich hat er ja bereits reichlich Erfahrung in Sachen Vokalaufnahmen. Fertig produziert haben wir den Song dann hier in Leipzig und dabei immer wieder auf sein Feedback per Internet und Telefon zurück gegriffen... Wenn ich die Stücke auf dem Vorgänger mit den aktuellem Album vergleiche, scheint es mir, dass ihr neues Equipment zugelegt habt. Zumindest habe ich Sounds rausgehört, die ihr so bislang noch nicht hattet... Chris: Wir sind ständig auf der Suche nach neuem Soundmaterial und neuen Klangerzeugern. Vieles kommt auf digitalem Weg als Samples oder Plugins in meine Library. Aber auch die Sammlung der digitalen Effekte wird ständig gepflegt und erweitert. Die sind schließlich das Salz in der Suppe. Guido: Manchmal ist das sehr nervenaufreibend, Stundenlang nach einem ganz bestimmten Sound zu suchen. Soundseeing. Chris: Ja, aber wir sind nicht die Sorte Musiker, die ihre gesamtes Studio nach jedem Album verscherbeln und durch neuere, noch kostspieligere Geräte ersetzen. Gerade solche Stücke wie „Fallen Men“ und eben „Sojourner“ wirken weitaus griffiger und auch tanzbarer. War es Eure Absicht, mehr auf die Tanzfläche zu „schielen“? Guido: Eigentlich haben wir das immer vor. Wir wollen unsere Songs ja nicht untanzbar wissen. Aber viele Leute tanzen scheinbar nur, wenn die Musik auf ein Minimum heruntergefahren wird und die Bassdrum freie Bahn hat. Chris: Die Kraft in Songs wie „Fallen men“ und „Planet Zoo“ war auch ein eigener Wunsch für die Livekonzerte, auf denen wir einfach mehr Bewegung und Energie umsetzen wollen. Manchmal, wie bei „Ghost“ und „iHuman“ habe ich Parallelen zu Mind.In.A.Box herausgehört. Beeinflusst Euch solch eine Band bzw. habt ihr generell irgendwelche Vorbilder? Chris: Musikalische Einflüsse gibt es viele. Mind.In.A.Box gehören definitiv zu den Bands, die wir uns gerne anhören, und mit denen wir viele Parallelen in unserem Soundverständnis teilen. Aber auch bei vielen Songs von Bands wie Frontline Assembly oder Hybrid haben wir unsere Vorlieben wie z.B. verschachtelte Beats oder weite Streicherflächen in großartiger Ausführung entdeckt. Ich habe übrigens schon oft gehört, das sich viele Leute einen Liveabend mit m.i.a.b, Seabound und uns als Idealfall vorstellen. Guido: Für einen großen Einfluss auf unsere Musik halte ich auch Filme, da wir da ziemlich ähnliche Vorlieben haben. Und für mich sind auch gut erzählte Geschichten und (meist amerikanische) Romane ziemlich wichtig, gerade auch was die Wortwahl für Methapern betrifft. „Planet Zoo“ ist für meine Begriffe ein Highlight auf dem Album. Es scheint fast so, dass ihr einen Kraftwerk’schen Sound mit zynischen, gesellschaftskritischen Texten kombiniert. Worum geht es in diesem Stück? Guido: Für mich zählt „Planet Zoo“ auch zu den stärksten Songs auf „Autophobia“. Das Lied ist wie ein Lebenslaufzapping. Im Refrain sehnt sich die beobachtende Person nach innerer Ruhe und einem Ausweg aus dem Hamsterrad unserer Gesellschaft. Vielleicht ist der Song auch ein Gruß an alle Träumer, die auf etwas warten, das nie geschehen wird. Ihr zählt ja zu den Speerspitzen des sogenannten „Intelligent Electro“ (ich weiß, doofe Bezeichnung). Leider findet dieser Sound wenigstens in den Clubs nicht so richtig Gehör, da doch eher die fetten beats und verzerrten Gesänge dominieren. Frustriert das ein bisschen? Chris: Keineswegs. Ich könnte mir zwar gut vorstellen, öfter mal eine Tanzveranstaltung mit weniger „Rumms und Gröhl“ und dafür mehr Musik zum zu- und hinhören zu besuchen, aber wahrscheinlich lohnt sich das für die Veranstalter und Betreiber auf Dauer nicht. So ist das eben. Guido: Die bestehende Clubszene wird es nicht mehr schaffen, sich von den bestehenden Strukturen zu lösen. Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ein Club „intellegent techno“ und „intellegent electro“ am gleichen Abend anbietet. Ich glaube, die beiden Szenen wissen gar nicht, wie nah sie sich eigentlich stehen. Chris: Dann können sie auch noch DnB auflegen. Guido: Und diese ganze Tendenz bitte auch noch auf dem Zeitschriftenmarkt. Immerhin seid ihr ja schon mit Sono, Seabound und XPQ21 auf der Bühne gestanden. Wie waren die Reaktionen des Publikums? Chris: Sehr unterschiedlich aber durchweg positiv. Guido: Unsere Auftritte mit Seabound und Sono waren auch für uns toll. Besonders schön ist es, wenn neue Songs beim Publikum auf Anhieb gut ankommen. Wird es bald wieder ein paar Liveauftritte geben? Chris: Zu Weihnachten gibt es ein ganz spezielles Geschenk und nach der Winterpause geht es dann natürlich weiter. Näheres dazu werden wir regelmäßig auf unserer Homepage schreiben. Guido: Wir werden das neue Album so oft wie möglich live präsentieren. Gern auch in Nordamerika. Durch den Deal mit Metropolis rückt das nun in greifbare Nähe. Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören Euch... Guido: Vielen Dank für den Support durch Elektrauma. Chris: Genau, macht weiter so...
(Interview geführt von Nuuc) |
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