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Hi Olli! Schön, dass du dir kurz Zeit nimmst. Bist du sehr im Stress, da der VÖ deines neuen Albums ja bereits am 2.Oktober ist und quasi fast vor der Tür steht?
Hallo Andi, vielen Dank für das Interview. Das Letzte ist ja schon ein paar Tage her :) Sagen wir es ist eine Menge zu tun, was aber eher normal ist wenn eine neue VÖ ansteht. Diesmal ist es noch ein wenig mehr als sonst, da wir ja jetzt zum ersten mal eine VÖ auf unserem eigenen Label rausbringen :) Dein neues Werk wird „Soulstrip“ heissen. Gibt es auf deiner neuen CD „Seelenstriptease“ von dir zu hören und welchen Hintergrund hat der Titel? Ist der Inhalt sehr autobiographisch? Bei „Soulstrip“ ist in der Tat der Name Programm. Keines der vorherigen Alben ist so offen, so ehrlich wie dieses. Ich bin sehr schonungslos mit mir ins Gericht gegangen und jeder einzelne Song spricht mir aus der tiefsten Seele. Ich lege jedem Hörer mein Herz in den Schoß und überlasse dem Hörer zu entscheiden, was er damit tut. Er kann es in die Hand nehmen, betrachten, zerreißen, drauf rumtrampeln, oder es einfach wieder vorsichtig zurücklegen. Insbesondere im letzten Jahr sind hier und da ein paar Dinge passiert in meinem Leben, auch einige auf die ich ganz und gar nicht Stolz bin. Aber es gehört dann auch zum Leben, aus den Dingen zu lernen und zu versuchen, es beim nächsten mal besser zu machen. Wenn es dann passiert, dass ein Mensch nicht mehr mit einem redet, ist das oftmals sehr bedauerlich, aber vielleicht eben auch Teil der Dinge. Um so schöner ist es dann, wenn man den Kampf angenommen hat, an sich arbeitet und feststellt, dass sein Gegenüber dies auch bemerkt :) Insofern kann ich ohne Übertreibung sagen, dass „Soulstrip“ die bisher mit Abstand intimste und persönlichste Veröffentlichung von mir ist. Das Cover von „Soulstrip“ zeigt einen symmetrisch gespiegelten Teil eines Frauengesichts. Wer war für das Artwork zuständig und wieweit nimmt es Bezug auf den Inhalt der CD? Verantwortlich für das Artwork ist – wie bei den letzten auch – Sinan alias Plastic-Hand.com. In erster Linie ist es nicht ganz symmetrisch wie man auf dem ersten Blick sieht. Kleine Details wurden absichtlich verändert, damit die Symmetrie zerstört wird. Bei genauerem Hinsehen wird dem Betrachter nicht mehr klar ob die Frau lacht oder trauert. Sinan alias Plastic-hand.com fand, in Rorschachtest-Bilder (Tintenklecks-Test), seine Antwort auf der Suche nach einem Motiv für das Album. Bei so einem Test werden der Testperson Tafeln gezeigt, die unterschiedliche Muster darstellen. Die Personen werden daraufhin gefragt: "Was könnte das sein?" Jedoch weisen die Psychologen darauf hin, dass es keine "richtigen" oder "falschen" Antworten gibt. Er wollte dem Betrachter das Gefühl vermitteln, dass der Sänger hier seinen "Soulstrip" vollführt. Die Antworten sind hier nicht deutlich. Die Augen sind ja bekanntlich der Spiegel unserer Seelen. Vergleicht man beide Paare genau, sieht man Unterschiede! Und das Gesamtbild ergibt auch eine Form (Muster). Sinan bat mich bei unseren Telefonaten um Texte und Inhalt. Für uns war es wichtig, dass der Inhalt vermittelt wird. Vor allem weil die Texte sehr intim sind. Er hat lange nach einem Motiv gesucht, das in der Musikszene noch nicht geläufig ist. Wer seine Arbeiten kennt, weiß dass er mit Fotomanipulationen arbeitet. Doch hier ging er, so wie wir auch, neue Wege und zeichnete, zusammen mit Stefan Launhardt, die Illustrationen! Zu den beiden Singles „Über’s Wasser gehen“ und „Glück Auf“ gibt es jeweils Videos. Diese sind sehr professionell und wirklich toll gemacht. Wer hatte die Idee und das Konzept entwickelt? Die Ideen zu den Videos hatten die beiden jeweiligen Regisseure, Peter Dommaschk bei „Über’s Wasser Gehen“ und Nils Schulte bei „Glück Auf“. Beide Ideen haben mir sehr gut gefallen, aber insbesondere bei „Über’s Wasser Gehen“ war ich zunächst doch sehr unsicher. Als Peter Dommaschk, der Regisseur von „Über’s Wasser Gehen“, mir die erste Konzeptidee für das Video vorgestellt hat, habe ich lange darüber nachgedacht, ob es nicht völlig falsch rüberkommen würde und vielleicht doch einen zu deutlich politischen Charakter bekommen könnte. Um so glücklicher bin ich mit dem Ergebnis, in dem die satirische Überzeichnung einer doch sehr sehr ernsthaften Botschaft perfekt umgesetzt wurde. „Glück Auf“ hat es sogar in die Playlist eines TV-Senders geschafft, was heutzutage ja nicht gerade zur Normalität gehört. Wie stolz ist man wenn sein Video im Fernsehen läuft? Sehr. Das gilt sowohl für TV als auch für Radio, wo wir mit „Über’s Wasser Gehen“ ja doch beachtlichen Radio-Airplay bekommen haben. Die Radio-Promotion für „Glück Auf“ läuft derzeit noch und da weiss ich noch nicht genau, wie die Reaktionen der Sender sind. Nein, natürlich sind wir mit „Über’s Wasser Gehen“ nicht in die Radio-Airplay-Charts gekommen, damit haben wir aber auch nie gerechnet. Dennoch ist es grade in der heutigen Zeit unfassbar schwer, überhaupt Radio-Airplay zu bekommen. Die Radiosender verlieren immer mehr Boden an das Internet und setzen daher nur noch auf Bewährtes, etablierte Künstler und vergangene Hits. Das ist die Standard-Zusammenstellung der meisten großen Radiosender heute. Um so mehr hat uns gefreut, wie viel Radio-Airplay wir dann für „Über’s Wasser Gehen“ letztlich doch bekommen haben, was deutlich über nur ein paar Handeinsätze hinausging. Wo siehst du persönlich die größten Unterschiede zwischen „Here And Now“, „That Night“ und dem neuen Werk „Soulstrip“? Das ist schwierig zu beantworten. Zwischen den Alben lagen ja ein paar Jahre und somit auch inhaltliche aber auch soundliche Veränderungen. „That Night“ war glaube ich doch streckenweise ein wenig schwierig. Man hat schon einen sehr deutlichen Unterschied gemerkt, dass dieses Album nicht mehr vollständig mit einem externen Produzenten fertiggestellt wurde und im direkten Vergleich zwischen „Soulstrip“ und dem letzten Album „That Night“ würde ich sagen, dass „Soulstrip“ doch einige deutliche Schritte nach vorne macht. Insgesamt ist „Soulstrip“ doch deutlich ruhiger ausgefallen als die Alben vorher. Das war zwar nicht geplant, aber als die Songs dann fertig waren fand ich es dann aber gut, mal ein in sich geschlossenes und etwas getrageneres Album zu veröffentlichen. Hat sich im Laufe der letzten Jahre deine Arbeitsweise sehr geändert, auch nachdem man mit solch Grössen wie Tino Oac zusammen im Studio saß? Hatte Tino grossen Einfluss auf „Soulstrip“? Aus jeder Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Musiker nehme ich eine Menge für mich mit. Ich bin extrem stolz und dankbar, dass Tino mit mir gearbeitet hat. Er ist ein toller Mensch und ein beeindruckender Musiker. Ich habe selten jemanden im Studio erlebt, der so eine Energie und Leidenschaft in die Musik steckt. Abgesehen davon ist er ein fantastischer Sänger und das macht die Zusammenarbeit mit jemandem wie ihm als Produzenten noch interessanter. Ein Produzent der zugleich auch Sänger ist weiß einfach, wie es sich anfühlt zu singen und kann Dir das wesentlich besser transportieren als ein Nicht-Sänger. Ich habe in der Woche, die ich mit ihm zusammenarbeiten durfte, mehr gelernt als in den letzten Jahren, das war mehr als beeindruckend. Man darf ja auch nicht vergessen, dass die Singles in Deutsch gesungen sind. Ich muss gestehen, dass ich unterschätzt habe, wie viel schwieriger es ist, in Deutsch zu singen, wenn man – so wie ich – seit 16 Jahren nur Englisch singt. Aber auch da war Tino eine enorme Hilfe durch seine langjährige Erfahrung als Sänger der Söhne Mannheims. Und ja natürlich hat so eine Zusammenarbeit auch Einfluss auf die anderen Songs des Albums gehabt. Ich habe bei einigen Songs stimmlich deutlich mehr experimentiert als vorher. Nachdem du nun 2 deutsche Songs als Vorabauskopplungen auf den Markt gebracht hast hatte der ein oder andere Fan nun bedenken, dass das gesamte Album Deutsche Songs beinhalten könnte. Beim Betrachten der Tracklist kann man die Hörer beruhigen. Wie kam es zu der Entscheidung mit zwei deutschen Tracks das neue Album zu promoten? Die Möglichkeit, Songs von Robin Grubert zu bekommen hat sich ergeben nachdem feststand, dass Tino mit mir produzieren wird. Und natürlich habe ich das nicht abgelehnt. Wenn Du schon mit einem der derzeit erfolgreichsten Songwriter in Deutschland arbeiten darfst und Du ja sowieso Popmusik machst, wieso solltest Du das ablehnen? Das würde ja überhaupt keinen Sinn machen :). Abgesehen davon finde ich persönlich es eher langweilig, wenn man als Künstler über Jahre hinweg immer das Gleiche macht. Es ist doch viel spannender, auch mal Unvorhersehbares zu tun :) Obscenity Trial ist bereits seit Jahren immer wieder gerne das Ziel von Anfeindungen, da sind Aussagen wie „Möchtegern-Popstar“ noch die harmlosesten. Unter dem Hintergrund hatte ich im Vorfeld schon damit gerechnet, für die Singles ordentlich „auf die Fresse“ zu bekommen. Interessanterweise ist aber genau das Gegenteil passiert. Ich muss zugeben, dass es mich erstaunt hat, aus welcher Ecke so manche positive Rückmeldung kam. Und es hat sich auch herauskristallisiert, dass so manche vergangene Aussage doch mit einer gewissen Portion Neid erfüllt war, und das ist dann letztlich doch das größte Kompliment, was mir jemand machen kann. Denn am Ende ist es nun mal so, dass man sich Neid sehr hart erarbeiten muss :) Und ich würde Lügen, wenn ich sagen würde, dass es mich nicht freuen würde, offenbar interessant genug zu sein, dass man über mich stundenlange Diskussionen führt ;-) Kannst du mit kurzen Worten jeweils Inhalt und Musik eines jeden „Soulstrip“-Songs beschreiben? Wie auch bereits in der Vergangenheit tue ich mich immer sehr schwer damit, zu jedem Song die Geschichte zu erzählen. Ich glaube, dass es auch besser ist, wenn der Hörer selbst die Emotionen jedes Songs auf sich wirken lässt und nicht mit einem bereits vom Künstler aufgedrückten Bild im Kopf beim Hören dasitzt. Nichts transportiert Emotionen besser als Musik und ich es macht mich immer wieder enorm stolz, wenn ein Hörer zu mir kommt und mir sagt, dass er sich in diesem oder jenem Song wiederfindet, weil er so etwas auch schon mal erlebt hat. Nach Infacted Recordings bist du mit OT zu Major Records gewechselt. Wie kam es zum Weggang vom Label? Eine Frage, die ich schon sehr häufig beantwortet habe, daher will ich mich an dieser Stelle eher kurz fassen. Die Zusammenarbeit mit Torben war toll, aber wir hatten gänzlich unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung sowohl seines Labels als auch von Obscenity Trial. Resultierte daraus die Gründung deines eigenen Labels „remotemusic“? Nach dem Entschluss, Infacted zu verlassen, gab es die Überlegung bereits, ja. Der Schritt wäre – und war es dann dieses Jahr ja letztendlich – nicht all zu Groß gewesen, da ich in der Vergangenheit bereits eine Menge Promotionarbeit selbst gemacht und meinen Labelpartnern zugearbeitet habe. Major Records war aber dann ein sehr interessanter Partner. Zu dem Zeitpunkt hatte Hayo Lewerentz gerade den Mesh DVD-Deal in der Tasche und noch u.a. IAMX unter Vertrag. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Musiker, Produzent und Labelchef war es ein für mich richtiger Schritt, zu ihm zu gehen. Den Vertrag haben wir dann zunächst auf ein Jahr geschlossen und nachdem dieser erfüllt war, hatte ich ihm die neuen VÖs angeboten (inkl. der Singles). Wir wollten auch beide zusammen weiterarbeiten, konnten uns letztlich aber nicht auf die Promotion für die Singles und das Album einigen. Nicht, dass das falsch rüberkommt: Dabei ging es mir nicht darum, dass ich nun wahnsinnig viel Geld für meine eigene Tasche haben wollte. Aber es ist natürlich schon so, dass wenn man mal als kleiner Indie-Szene-Musiker die Chance hat, mit zwei großen Namen zusammen zu arbeiten, man dies auch entsprechend promoten muss. Kein Hersteller baut ein Auto, stellt dies in den Laden und wundert sich, wieso es keiner kauft und vergisst dabei, dass er doch vielleicht mal hätte Werbung machen sollen. Und nachdem Hayo (Major Records) und ich uns eben nicht einigen konnten habe ich beschlossen, nun den letztendlich für mich logischsten Schritt zu gehen, und mein eigenes Label zu gründen. SONY MUSIC als Vertriebspartner zu finden war natürlich völlig unerwartet, aber motiviert enorm :) Bei „remotemusic“ finden auch andere Bands ein Zuhause. Welche Kriterien muss eine Band erfüllen, dass du ihr einen Vertrag anbietest? Das ist eine gute Mischung aus persönlichem Geschmack und der Frage, ob sich diese Musik vermarkten lässt. Ich habe bereits einige wirklich gute Demos erhalten, diese dann aber abgelehnt, weil das Gesamtpaket einfach nicht vermarktungsfähig war bzw. weil die Einstellung der Musiker einfach überhaupt nicht gepasst hat. Welche Bands befinden sich mittlerweile bei „remotemusic“? Neben meinem eigenen Projekt im Moment „Eurocide“, ein deutsches Dark-Electro/EBM Projekt welches noch dieses Jahr veröffentlicht wird und „Monody“, ein US-amerikanisches Electropop-Projekt. Weitere Bands werden definitiv folgen, einige Gespräche laufen im Moment bereits auf Hochtouren :) Dein Song „Oppenheimer“ vom 96er Album „Intoxication“ lief damals in den Clubs wirklich rauf und runter. Hast du schon mal drüber nachgedacht den Song digital zu remastern und vielleicht als Fan-MCD wieder zu veröffentlichen? Die Überlegung, sowohl einzelne Songs von „Intoxication“ als auch das gesamte Album neu Aufzulegen gab es bereits häufiger. Ob und inwiefern dies aber passieren wird, kann ich nicht sagen. Dazu gibt es bisher keine Entscheidung, aber wenn die Zeit dafür da ist, kann ich mir eine Neuauflage sehr gut vorstellen. Die Veröffentlichung eines neuen Albums schreit ja förmlich nach Livekonzerten! Wird es zu „Soulstrip“ eine ausgedehnte Tour geben um das Album zu promoten? Erste Konzerte sind bereits geplant und ich gehe davon aus, dass wir die ersten Termine in den nächsten Tagen bekannt geben werden. Wer Obscenity Trial kennt weiss, wie wichtig uns Livekonzerte sind und dass live eben schon immer ein sehr wesentlicher Bestandteil von uns war. Wir sind eine Liveband, und werden dies auch immer bleiben :) Was waren deine schönsten Konzerte, die du gegeben hast? Oh da gab es in der Tat eine ganze Menge Highlights in den vergangenen Jahren. Es gab eine Menge Konzerte mit „magischen Momenten“, da fällt es schwer, sich zu entscheiden :). Wenn ich das müsste, stechen aber schon drei immer noch heraus. Zum einen Berlin 2006 beim Tourauftakt der AND ONE „Bodypop“-Tour – welche wir ja supportet haben -, zum anderen beide Konzerte in Moskau. Auf was legst du am meisten Wert bei deinen Gigs? Wir bemühen uns zwar immer darum, dass die Konzerte bestmöglich vorbereitet sind. Aber letztendlich geht es dann sowohl für uns als auch für das Publikum nur um eins: Spaß. Wenn wir keinen Spaß mehr haben, können wir es auch lassen, denn es würde jeder der vor der Bühne steht, sofort merken :) Und wenn die Zuschauer nach Hause gehen und einen tollen Abend hatten, haben wir alles richtig gemacht :) Was steht bei dir und OT im Jahr 2009 noch Weiteres an? Gibt es schon Pläne? Nun, ausser der Promotion für die Singles und das neue Album sowie die anstehenden Konzerte bisher nichts Konkretes. Aber das füllt derzeit jeden Tag auch schon sehr gut aus :) Vielen Dank für das sehr interessante und ausführliche Interview! Viel Erfolg mit „Soulstrip“! Die letzten Worte gehören dir…: Noch einmal danke für das Interview und die tollen Fragen. Auch an Dich ein dickes Dankeschön für die tolle Unterstützung der letzten Jahre und vor allem ein ganz ganz ganz dickes DANKE an Euch da draussen. Ohne Euch würde dies alles keinen Sinn machen :) „Das hier ist der Anfang“ :)
(Interview geführt von Andi) |
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