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Hallo. Erst Mal Gratulation zu eurem aktuellen Album. Angefangen haben einige von Nachtgeschrei ja im Heavy Metal Bereich, andere waren im Neo-Folk-Gefilde unterwegs. Wieso der Schwenk rüber zum Mittelalter-Rock?
Genau hier können sich unsere unterschiedlichen Herkünfte und Stilvorlieben am besten miteinander vereinen. Eine grundsolide Rockbasis mit ordentlich Dampf, dazu Folk typische Melodieinstrumene, die dem Ganzen eine interessante Fülle geben. Nach „Hoffnungsschimmer“ ist „Am Rande Der Welt“ Euer zweites Album. Wie verliefen die Arbeiten, nachdem das Debüt positiv aufgenommen wurde? Hatte man einen besonderen Druck verspürt? Man verspürt immer den Druck, den man sich selbst macht. Dies war bei uns weniger aufgrund dessen, dass „Hofnungsschimmer“ gut ankam als dass wir selbst alle zu 110% mit unserer Arbeit zufrieden sein wollen. Du kannst Dir vorstellen, dass dieses Vorhaben bei sieben Leuten nicht immer einfach ist. Ohnehin wurde das Debüt sehr positiv von den Szenemagazinen aufgenommen. Rechnet man mit so einer überschwänglichen Bewertung? Mit einer derartigen Resonanz hat niemand gerechnet. Vielmehr ist es jedes Mal wieder äußerst spannend, der Öffentlichkeit Material zu präsentieren, an dem man selbst ewig lange gearbeitet, gefeilt, es wieder umgeworfen und schließlich doch so wie bei der ersten Idee gemach hat. Ab dem Moment, in dem man die Hose runterlassen muss… rechnet man mit allem. Wichtig ist, dass wir auf jeden Fall hinter allen unseren bisherigen Veröffentlichungen stehen können. Dazu gehört es, sowohl sich über gute Bewertungen zu freuen als auch mit hier und da etwas derberer Kritik umgehen zu können. Das zweite Album ist ja relativ schnell entstanden. Gerade mal ein Jahr liegt zwischen dem ersten und zweiten Werk. Hattet ihr so viel Material? Einige Songs waren bereits zu Hoffnungsschimmer Zeiten fertig, der Rest entstand nach und nach. Speziell während eines Bandwochenendes in der Ruhe und Abgeschiedenheit des Schwarzwalds haben wir ganz großes Feintuning betrieben und dem Songwriting den letzten Schliff verpasst, um anschließend gewappnet ins Studio zu gehen. Das alles in eben dieser Abgeschiedenheit – mit Ruhe war dann nicht mehr viel. Neben den Arbeiten am Album wart ihr ja auch wieder viel unterwegs. Ich schätze mal, dass das letzte Jahr also sehr ereignisreich für euch war. Wie habt ihr es erlebt? Vor allem war es verdammt schnell vorbei! Wenn man derart in Arbeit steckt und sich immer wieder darauf konzentriert, einen Schritt weiter nach vorne zu gehen merkt man irgendwann, dass man dringend Weihnachtsgeschenke einkaufen muss – wo doch gerade eben erst die Festivalsaison ein Ende fand! Viele einschneidende Erlebnisse haben den Bandalltag 2008 geprägt. Der Deal mit Massacre, die Veröffentlichung des ersten Longplayers, ein Besetzungwechsel, die Vorproduktion zum neuen Album, der Studioaufenthalt… und zwischendurch so viele Gigs wie nur möglich. Seid ihr eigentlich von berufswegen Musiker, oder geht ihr auch „regulären“ Berufen nach, weil ihr mit der Musik nicht überleben könntet? Wir sind alle entweder berufstätig oder am studieren. Der Schritt von unserem Status bis dahin, vom Musik machen leben zu können ist noch ein gewaltiger. Mal ein Blick auf eure Musik: Viele Mittelater-Bands suchen sich gerne mythologische Stoffe aus vergangener Zeit aus, um sich für Texte und Musik inspirieren zu lassen. Wie ist das bei euch: Was verbindet ihr mit dem Mittelalter? Das ist eine schwierige Frage- das Mittelalter ist eine vielschichtige und faszinierende Epoche die man gar nicht so pauschal in einem Satz erschlagen kann. Wir begreifen uns nicht als Mittelaltergruppe, Spielleute oder Barden sondern als Band. Wir haben unsere eigene Herangehensweise an Musik, die auch das Aufgreifen von mittelalterlichen Instrumenten oder Melodieeinsprengseln, vielleicht sogar einmal eine Thematik beinhaltet- das ist Teil von unserm Background und gefällt uns auch durchaus so, davon abgesehen ist unser Leben aber kaum „mittelalterlicher“ als zum Beispiel deines. Wir freuen uns über all unsere Freunde und Fans aus der Mittelalterszene und sitzen gerne mal mit denen am Lagerfeuer, außerhalb der Band sind wir da aber nicht weiter involviert. Sucht ihr auch nach alten Schriftstücken, die von „wundersamen Geschichten“ erzählt? Das kommt schon mal vor- wobei das in der Regel mehr der Ideengeber als die Vorlage ist. Wir sind halt keine Bänkelsänger oder Geschichtenerzähler, das können andere besser. So gesehen ein klares „Jein“, nicht? Seid ihr auch des Mittelhochdeutschen mächtig? Teile der Band in gewisser Weise ja :-) Wie entstehen generell die Texte bei Euch? Wir haben drei Texter in der Band- Hotti, Sane und Nik, von denen jeder seine eigene Herangehensweise an Texte hat. Der eine schreibt über persönliches und Erlebnisse, den nächsten inspirieren Bücher oder die Natur oder was weiß ich was. Wie ein Text entsteht hängt von ganz verschiedenen Voraussetzungen ab, nicht zuletzt ob ein Text zu bereits „fertiger“ Musik geschrieben wird oder ob der Text unabhängig von der Musik entsteht. Bestimmt bin ich da nicht der erste, aber: Die Stimme von Hotti erinnert sehr stark an Eric Fish. Wie geht man mit diesem Vergleich um? Nervt das einen mit der Zeit? Es kann natürlich immer vorkommen, dass ein Vergleich, den man oft zu hören bekommt irgendwann mal nervt. Aber gerade mit solchen Dingen gilt es umzugehen. Derjenige, der diesen Vergleich äußert, sieht das in dem Moment so. Da könnten wir abendfüllend diskutieren, dass man das ja… und überhaupt… weil nämlich… Nun, der eine empfindet es so, der andere nicht. Wie entsteht bei euch die Musik? Lasst ihr euch auch von einigen anderen Bands oder alten Musikschriftstücken inspirieren? Unsere Musik entsteht hauptsächlich aus Ideen von Einzelnen, die gemeinsam ausgearbeitet werden. So erklärt sich auch die Mischung verschiedener Genres in unseren Schaffen, da im Endeffekt jeder seinen Teil in die Stücke einbringt und es damit zu der Mischung wird, die den roten Faden in der Musik von Nachtgeschrei darstellt. Ein Blick auf Eure Internetseite zeigt, dass ihr eine ziemlich viel tourende Band seid. Liebt ihr das „Liveleben“? Klar, live spielen und den Kontakt zum Publikum herstellen ist einer der Hauptgründe, den ganzen Kram überhaupt zu machen. Es ist ein tolles Gefühl, auf der Bühne stehen und alles geben zu können. Außerdem sind wir live lauter als im Proberaum :-) Gab es ein besonders schönes oder auch besonders schauderliches/Peinliches Ereignis während euren Auftritten? Das werden wir häufig gefragt, aber ehrlich das ist schwer… wir haben mittlerweile so viele tolle Erlebnisse gehabt (woran nicht zuletzt unsere unglaublichen Fans und Freunde mitschuldig sind) – da wird es echt schwer ein spezielles herauszuheben. Schauderliches hat jeder für sich sicher auch manches erlebt, wenn man vor 1000 Leuten voll in die Grütze greift oder der Abend zuvor doch etwas lang war…. Können wir mit einem dritten Album dann im Frühjahr 2010 wieder rechnen (nach dem Gesetz der Reihe)? Frag uns das im Herbst 2009 nochmal! Schreibt ihr auch schon wieder fleißig an neuen Songs? Es kommen immer wieder Ideen, die direkt verarbeitet werden. Songs schreiben ist eine ziemlich intuitive Sache, das klappt zumindest bei uns konstruiert nicht. Auf einmal steht die Idee im Raum. Das bringt frischen Wind und kurbelt die Kreativität von jedem Bandmitglied an, so dass relativ schnell ein neuer Song draus geworden ist. Der wird dann einstudiert bis zum erbrechen… oder bis die nächste Idee da ist. Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg. Vielen Dank & alles Gute!
(Interview geführt von Nuuc) |
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