Boytronic

Mit „Dependence“ ist ein weiteres Album von Boytronic auf dem Markt. Wie ist das Gefühl, nach vier Jahren wieder ein neues Werk zu veröffentlichen?

Holger: Es ist immer ein gutes Gefühl wenn etwas fertig geworden ist.

Das neue Album ist mit einer neuen Formation aufgenommen worden. Was waren die Gründe für diese Umbesetzung?

Holger:Es war schlicht Zeitmangel. Hayo hat mit seinem Label "Majorrecords" soviel zu tun ,das er kaum noch zum Musik machen kommt. Ausserdem war da noch die räumliche Trennung zwischen Hamburg und Berlin. Und da ich auch noch einen Job habe gestaltete sich die Zusammenarbeit zunehmend schwieriger. Es waren keine musikalischen Differenzen. Wir werden in Zukunft auch weiter zusammenarbeiten wenn es geht.

Wie habt ihr euch alle kennen gelernt? Warum sollten es gerade Hans Johm und Michael Maria Ziffels sein, die Boytronic bereichern?

Holger:Ich hatte Hans vor ein paar Jahren kennengelernt als er mich für ein Magazin interviewte. Er machte selbst Musik und schickte mir was zum reinhören. Ich fand die Sachen sehr gut. Hier war jemand mit einem Plan. Die Musik war sehr mysteriös und liess mir viel Raum um mich einzubringen. Wir trafen uns dann ein paar mal und arbeiteten an ein paar Stücken. Das war dann die Geburt von "Beachhead". Im weiteren Verlauf klangen die Stücke allerdings dann doch sehr nach Boytronic.. Da lag es nahe das ich Hans fragte ob er Lust hat. Wir holten dann noch Ziffels, weil wir mit einigen Sachen an unsere musikalisch technischen Grenzen stießen. Er ist ausgebildeter Musiker und schreibt eigene Opern und anderes merkwürdiges Zeug. Ziffels: Halt — denkwürdig, nicht merkwürdig!

War der Line-Up Wechsel auch der Grund, warum es verhältnismäßig lange gedauert, bis das neue Werk erschienen ist?

Holger: Geplant war eigentlich schon vor zwei Jahren ein neues Album.Wir hatten schon sechs Stücke aufgenommen und waren nicht so sehr zufrieden.Es stockte alles ,und war ein bisschen langweilig .Wir (also Hayo und ich) haben die Tracks dann für die "MAXI" und die "Continental (replace)" als Bonusstracks genommen.Ich dachte dann ,es wäre gut dem ganzen mal frisches Blut zuzuführen..Nun gibt es zwei neue Bandmitglieder und deshalb hat es nochmal zwei Jahre gebraucht.Es wäre wahrscheinlich schneller gegangen wenn wir nicht alle unsere Faulheitsphasen gehabt hätten .Die können schon sehr ausgeprägt sein.Aber nun ist das Album ja fertig.

Wie ist das Zusammenarbeiten mit den neuen Mitgliedern? Hat sich etwas geändert beim Schreiben der Lieder?

Holger: Es ist und war ja ganz verschieden wie die Stücke zustande kommen. Daran hat sich auch diesmal nichts geändert. Manche Stücke sind schon fertig im Kopf und andere entstehen einfach beim rumspielen.So ganz ohne Blessuren ging die Zusammenarbeit nicht ab. Wir haben alle sehr ausgeprägte Egos und sind schnell beleidigt. Und ich musste immer vermitteln. Wie das so ist....Aber es geht sehr gut und ist spannend. Ich möchte gerne gute Pop Songs machen. Hans sieht sich alsMensch mit Sendungsbewusstsein, und Ziffels hat diesen Symphonikertick und spielt Stromflöte.

Das neue Werk heißt „Dependence“. Bezieht sich der Name auf ein Geschehen innerhalb der Band oder hat der Titel mit dem Album an sich etwas zu tun?

Holger: Auf dem Cover sieht man vier ineinander greifende Hände. Eine alte Grafik aus einem Buch über die Arbeiterbewegung. Wir haben es genommen um den Titel (Dependence - Abhängigkeit) plakativ darzustellen. Aber es soll nicht negativ gemeint sein. Mehr im Sinne von sich auf den anderen verlassen können oder halt finden. Hans Johm: Das Miteinander von sich gegenseitig ergänzenden und bereichernden Individuen bringt Abhängigkeiten mit sich. Der Arbeitsprozess an „Dependence“ war sicherlich für uns alle drei – auch in dieser Hinsicht – eine wichtige Erfahrung. Somit beschreibt der Titel einen unmittelbaren Aspekt der Arbeit am Album, weniger verweist er auf ein thematisches Gerüst oder Liedinhalte.

Das neue Album besitzt auch musikalisch einige Neuerungen. Im Vergleich zu „Autotunes“ sind die Stücke wesentlich ruhiger. Wie ist es zu dieser Neuorientierung gekommen?

Holger: Das war nicht geplant. Es ist einfach entstanden durch die Zusammenarbeit mit den beiden. Es trifft nur auf die Hälfte des Albums zu. Auch auf "Autotunes" waren ruhigere Stücke.

Wird das, was wir bei „Dependence“ gehört haben die zukünftige Musikrichtung sein, die Boytronic einschlägt? Mehr ruhigere Tracks, weniger tanzbare Songs?

Holger: Nein. Das nächste Album kann schon wieder ganz anders werden. Es wäre langweilig ein Dogma draus zu machen. Es hängt davon ab wie man in der Entstehungsphase so drauf ist. Wie man sieht war das bei "Dependence" durchwachsen.

Schon oft hat Boytronic neben englischen Stücken auch deutsche Stücke geschrieben. Könntest du dir vorstellen, mal ein Synthie-Pop Album komplett in deutsch einzusingen?

Holger: Ich mag beides. Ich glaube aber eher nicht. Es gibt ne ganze menge Leute "outside Germany", die uns hören .Und die verstehen kein Deutsch.

Wenn man den Namen Boytronic erwähnt, kommt natürlich zuförderst eure erste Single „You“ als typischsten Song in Erinnerung. Inwieweit spielt das heute noch eine Rolle? Ist dieser Song Fluch oder Segen? Spielt ihr dieses Stück auch noch live oder könnt ihr es gar nicht mehr hören?

Holger: Doch wir spielen das live. Sogar sehr gerne. Es wäre auch unfair. Wenn ich auf ein Konzert gehe will ich auch die Hits hören. Klar. Ich hör den Song auch gar nicht mehr oft. Zuhause setz ich mich nicht hin und zieh mir alte Boytronic Songs rein.

Seit über 20 Jahre ist Boytronic unterwegs, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, aber dennoch irgendwie konstant präsent. Verfällt man aber nach so langer Zeit nicht in eine Routine beim Musik machen und Stücke schreiben? Wie entkommt man dieser Gefahr und wie motiviert man sich selber?

Holger:Routine? Bei unserer Bandgeschichte? Du machst Witze! Es ist doch ständig alles anders.Wie soll denn da Routine aufkommen? Man kann uns ja viel nachsagen, aber routiniert klingt das neue Album bestimmt nicht. Ich mache auch Pausen bis ich wieder Lust habe. Ich warte bis mir wieder Songs einfallen und dann mach ich erst was. Es ist nicht wie ins Büro gehen ,Rechner an und dann mal los. Es gibt Leute die machen das so...ich aber bestimmt nicht.

Wird es auch wieder Liveauftritte nach Veröffentlichung des neuen Albums geben? Steht da schon etwas in Planung?

Holger. Geplant ist noch nichts. Wir wollen aber gerne. Nur ist es schwierig das alles unter einen Hut zu kriegen wenn man noch arbeitet. Wir werden sehen.Wir sagen dann rechtzeitig Bescheid.

Wie sehen die letzten Wochen des Jahres bei Boytronic aus? Wird gerade an neuen Stücken gearbeitet oder ist jetzt erst mal Ruhe angesagt?

Holger: In der Tat arbeite ich gerade an neuen Stücken für eine im Sommer geplante E.P. Dieses Mal für die Disco...Des weiteren hab ich ne menge zu tun mit unserer Remix Aktion .Näheres auf unserer Web Seite.(WWW.BOYTRONIC.COM)

Vielen Dank fürs Interview und weiterhin guten Erfolg.



Homepage Band: Boytronic
Homepage Label: Major Records

(Interview geführt von Nuuc)

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