Heimataerde

Hallo, zunächst mal: Wie ergeht es dir, nachdem du dein zweites Werk „Kadavergehorsam“ vollendet hast?

Mir geht es wohl so wie einem Vater der seinen Schützling das erste mal alleine in die Schule schickt (grinst) Das Gefühl, möglicherweise noch etwas verbessern gekonnt zu haben, macht sich breit. Aber einen Schluss zu finden und mit einem Werk abzuschließen gehört zu einer guten künstlerischen Arbeit dazu.

Die Reaktionen auf deine erste Platte war ja ernorm. Wie sehr hat dich das beeinflusst, als du „Kadavergehorsam“ gemacht hast? Warst du einem gewissen Druck, die Qualität des Erstlings zu halten bzw. zu übertreffen?

Natürlich gab es Erwartungshaltungen die erfüllt werden wollten. Aber Gott sei dank hatte ich von vorneherein schon die weitere Vorgehensweise im Kopf, so dass ich mich davon nicht beeinflussen ließ, sondern zielstrebig an der Verwirklichung meiner Ideen arbeiten konnte. Ich selbst hatte den Anspruch, mich nicht selbst zu kopieren, sondern weitere Ideen in die Musik von Heimataerde einzubringen. Wichtig ist dabei sich Ziele zu setzen, die man auch erreichen kann. Da muss man sich das ein oder andere mal wirklich selber ausbremsen. (grinst) Aber ich denke mit „Kadavergehorsam“ hat Heimataerde gezeigt, dass man weiss, was man tut.

Wie hat sich dein Leben mit Heimataerde verändert? Hat es sich verändert?

Nein. Eigentlich nicht. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ich die Musik die ich mache, auch veröffentlichen kann. Das ist ein tolles Gefühl. Ich denke, jeder Künstler hat eine exhibitionistische Ader und möchte seine Werke einem Publikum vorstellen. Das geht ja schon im Kindesalter los, wo man stolz seine gemalten Bilder den Eltern präsentiert.

Deine Platte beschreibt ja die Abenteuer und Gedanken des Tempelritter Ashlar von Megalon. Wie sehr identifizierst du dich mit dieser Figur bzw. wie sehr ist diese Figur in Gedanken und Taten auch ein Teil von dir?

Ashlar von Megalon ist die Kunstfigur, die das Themenfeld mit dem sich Heimataerde befasst, zu verkörpern vermag. Er ist eine sehr vielschichtige Person in der jeder Teile von sich wiederfinden kann. Er ist stark und auch schwach, arm und doch reich, voller Leben und doch tot. Er ist ein fiktiver Charakter, der auf der Bühne zum Leben erwacht und seine Geschichte darstellen kann.

Das neue Album beginnt mit der provokanten These „Ich glaube nicht mehr, dass es ein Gott der Herrlichkeit ist“. Wie wichtig ist für dich der Glaube für die Menschen? Bist du selber gläubig?

Ich bin Ashlar von Megalon aus dem Hause Menrik. (lacht) Im Jahre des Herrn 1099 bin ich gottbefohlen dem Templerorden beigetreten. Mein Glaube ist so tief wie, die Augen der Maria, die der Herr erschuf, um mich stolpern zu lassen. Die Liebe ist es die es zu bekämpfen galt. Doch hat Christus nicht selbst diese gegen die Liebe erhoben ? Wenn ich die Sprache der Menschen rede und der Engel, Und hab die Liebe nicht, So bin ich wie tönendes Erz oder die hallende Zymbel. Und wenn ich prophetische Kraft der Verkündigung habe Und weiß die Geheimnisse alle und alle Erkenntnis, Und wenn ich allen Glauben habe, daß ich die Berge versetze, Und habe die Liebe nicht, So bin ich nichts. Das sagt doch schon einiges...

Ein kleiner Exkurs zum Thema Glaube, bevor wir wieder auf dein Album zu sprechen kommen: Wie bewertest du die Präsentation des Glaubens in den Medien, respektive des Papstbesuches in Deutschland und den Karikaturenstreit?

Für mich haben hohe Würdenträger nichts mit individuellem Glauben zu tun. Und auch die aggressiven Fraktionen in den verschiedenen Glaubensrichtungen sind Menschenwerk. Zuviele Kriege sind in Gottes Namen geführt worden, die doch immer nur menschliche Motive hatten. Glaube ist etwas wertvolles und erfüllendes, und natürlich ist er noch erfüllender, wenn man ihn teilt und zelebriert. Glaube verstärkt sich sicher in der Gemeinschaft. Es gehört allerdings auch das Wissen dazu, dass sich der Mond in vielen Wassern spiegelt, und ein religiöser Alleinigkeitsanspruch an die Wahrheit unsinnig ist. Dazu gehört auch, dass man nichtreligiöse Meinungen ertragen muss - im Zweifelsfall auch Spott.

Nun aber zu „Kadavergehorsam“. Handelt es sich dabei um eine Fortsetzung der Geschichte aus „Gotteskrieger“, oder hat sich die Struktur der Geschichte mit Beginn der Arbeiten am zweiten Album verfertigt?

Die Produktionsarbeiten zu „Kadavergehorsam“ begannen direkt nach Fertigstellung von „Gotteskrieger“. Die Geschichte fängt an der Stelle an, wo das erste Album aufhörte. So kann man nahtlos den weiteren Werdegang des Wiedergängers Ashlar und seiner nun auf ewig mit ihm verbundenen Maria verfolgen.

Siehst du einige musikalische und vielleicht auch produktionstechnische Veränderungen zwischen den beiden Alben?

Das Konzept wurde weiter ausgefeilt und verfeinert. Da Heimataerde mit einigen Gastmusikern zusammengearbeitet hat, ergab sich natürlich auch eine etwas andere Arbeitsweise. Diese war vor allem von den technischen Möglichkeiten der verschiedenen Künstler abhängig. Es war eine wahre Herausforderung mit den jeweiligen Musikern zu arbeiten und einen Weg zu finden, diese an der Gestaltung eines Heimataerde-Liedes teilhaben zu lassen, ohne den Heimataerdesound im wesentlichen zu verändern. Deshalb habe ich auch viel Wert darauf gelegt weiterhin das komponieren, texten und nicht zuletzt das abmischen in meinen Händen zu belassen.

Du hattest dieses Mal sehr viele Gastsänger dabei gehabt, unter anderem Die In Winter und ASP. Wie kam es zu diesen verbindungen. Nach welchen Kriterien hast du die Sänger für die einzelnen Stücke ausgesucht? Wusstest du am Anfang eines Songs schon, dass eine zweite Stimme oder eine Gaststimme die Songs bereichern soll?

Die Band „Die In Winter“ kenne ich schon lange und habe öfter ihre Konzerte besucht. ASP gefiel die Vertonung von „Ich hab die Nacht getreumet“ so gut, das er mich anschrieb, um es mir mitzuteilen. Daraus ist ein stetiger Kontakt entstanden, aus dem nun sein Gastgesang bei dem Lied „Warum das Leiden lohnt“ und, der Remix den Heimataerde für ASP anfertigte, hervor ging. Das Lied bestimmte die Art der verbalen Vertonung. Sei es nun mit Samples oder den dementsprechenden Gastsängern. Heimataerde möchte sich nicht die künstlerische Ausdrucksform in irgendeiner Weise beschränken lassen.

Interessant ist natürlich die Zusammenarbeit mit ASP, weil die klare Stimme völlig im Kontrast zu den meist verzerrten Vocals stand. Wieso gerade ASP?

Bei dem Lied „Warum das Leiden lohnt“ handelt es sich um eine Art Zwiesprache zwischen Ashlar und einem anderen höheren Wesen. Diese Tatsache wollte ich auch in der verbalen Vertonung zum Ausdruck bringen, in dem ich eine klare Gesangsstimme im Refrain einsetzte. Da Parallelen zu der Schmetterlingsgeschichte von ASP zu erkennen waren und seine Art zu singen sich hervorragend in das Soundkostüm integrieren ließ, war ich sehr froh, ihn dafür gewinnen zu können.

Neben den Songs wird beiliegend immer ein Booklet mit einer erzählten Geschichte des Tempelritters präsentiert. Wie wichtig ist dir diese Verbindung von Literatur und Musik?

Heimataerde wollte von Anfang an eine Verschmelzung von verschiedenen Kunstformen verwirklichen. Dabei spielt die Lyrik auch eine tragende Rolle. Der Hörer kann durch die Geschichte eine weitere Ebene von Heimataerde entdecken. Er wird nach dem lesen die Musik mit anderen Ohren hören. Damit offenbaren sich ihm die ganzen Zusammenhänge. Idealerweise kann somit in seinem Kopf, wie bei einem Soundtrack, ein kompletter Film entstehen.

Viele Stücke beinhalten Sprachsamples. Wie wirst auf diese Samples aufmerksam. Passiert es, dass eine bestimmte Aussage dich zu einem Stück inspiriert oder sind die Sprachsamples sozusagen nur noch als Nachdruck deiner eigenen Aussage zu verstehen?

Die Samples sind ein Stilmittel, welches einem Lied unterstützend zur Seite stehen kann. Dadurch wird der - nennen wir ihn mal cineastische - Effekt weiter nach vorne getrieben. Die Inspiration zieht man eher aus der zu erzählenden Geschichte als aus irgendwelchen Sprachfragmenten.

Schon beim ersten Album, das durch sein auffälliges Artwork und das ganzheitliche Konzept auffiel, kam mir der Gedanke in den Kopf, Heimataerde steuert auf ein Gesamtkunstwerk hin. Wie sieht es mit einer visuellen Unterstützung deiner Stücke in Form von Musikvideos auf DVD oder ähnlichen aus?

Natürlich spielt für Heimataerde eine visuelle Umsetzung der Thematik eine wichtige Rolle. Im Rahmen des Machbaren war von Beginn klar, dass die Musik von Bild und Text begleitet werden sollte. Das Design war auch erweiterbar gedacht, ohne konzeptionelle Vorausverpflichtungen, sondern eben geradlinig und direkt. Die weitergehenden Formen a la DVD und Videomaterial sind zunächst aufwendig, und vor Kadavergehorsam auch schlecht zu planen gewesen. Nichts desto trotz spielen wir mit dem Gedanken es irgendwie zu realisieren. Es wäre eine weitere Kunstform die in Heimataerde Einzug halten würde.

Heimataerde hat sehr zum Leiden der Fans sich noch nicht auf der Bühne gezeigt. Wie sieht es da in der Zukunft aus?

Heimataerde ist sich nicht wirklich sicher wie groß die Nachfrage nach einer Livepräsenz wirklich ist. Es gibt viele Anfragen von Veranstaltern und auch Fans, aber Heimataerde will noch sehen, wie die Akzeptanz von "Kadavergehorsam ausfällt - eine Liveband braucht auch eine gewisse Basis an Unterstützung. Trotzdem wird bereits an einer Liveumsetzung gearbeitet. Dabei wird es noch einiges auszuprobieren geben, denn Heimataerde möchte sich in einem guten Gewand präsentieren.

Mit dem Ende dieser CD scheint allerdings die Geschichte des Tempelritters immer noch nicht zu Ende erzählt. Wie wird es weitergehen? Hast du schon einige Ideen, die du schon umgesetzt hast?

Die Geschichte existiert schon in meinem Kopf und wird auch wieder von Pen Tell lyrisch umgesetzt. Auch die musikalische arbeit geht ohne Pause weiter. Die Heimataerde-Saga wird also eine Fortsetzung finden, allerdings verrate ich noch nicht mehr.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute.

Ich danke dir für deine Fragen und allen Fans für ihre Unterstützung.



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Homepage Label: Infacted Recordings

(Interview geführt von Nuuc)

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